49. Pressefreiheit und Pressefrechheit
Hamburg kämpft mit den Karlsbader Beschlüssen
Aufklärer publizierten für den Fortschritt. Das reaktionäre Klima in Deutschland und die Machtverteilung in der Hamburger Republik brachten sie nach 1814 in eine peinliche Situation: Plötzlich waren sie selbst die Zensoren.
Dies ist Teil 49 der Aufklärung in Hamburg: Johann Heinrich Bartels, Amandus Augustus Abendroth, Ferdinand Beneke und die Verbesserung einer deutschen Republik 1790–1835. Die Einleitung beschreibt, worum es geht, und ein Überblick über die bisher veröffentlichten Kapitel findet sich hier.
Bartels: Ich will und wünsche Öffentlichkeit
Unmittelbare Folge des Mordes an Kotzebue durch den Burschenschaftler Sand war die Einführung einer bundesweiten Zensur durch die Karlsbader Beschlüsse von 1819. Die Zensur war ein Zeichen dafür, dass es mit der Unabhängigkeit Hamburgs nicht mehr weit her war. Für Presse und Politik der Republik hatte das nachhaltige Konsequenzen. Seit 1827 lebte der Publizist Christian Friedrich Wurm an der Elbe. Er schrieb für die Augsburger Allgemeine Zeitung, darüber hinaus für das Staatslexikon von Rotteck und Welcker und gab von 1830 bis 1834 in Hamburg die Kritischen Blätter der Börsen-Halle heraus, ab 1833 war er Professor für Geschichte am Akademischen Gymnasium. Wenn er von Pressefreiheit redete, wusste er, wovon er sprach. Zu Bürgermeister Johann Heinrich Bartels pflegte er gerade in dieser Hinsicht eine besondere Beziehung. Bartels, so die Analyse Wurms, war im Rath Amsinck gegenüber, die äußerste Linke, wenn es sich um Förderung der Oeffentlichkeit handelte. Von Hudtwalcker habe ich die Anekdote, daß der Censor v. Sienen dem Bürgermeister Bartels Aufsätze geschrieben hat. Hoffmann der Censor hat mir erzählt in Amsincks Bibliothek habe Bartels’ Abdruck der Hauptgrundgesetze unaufgeschnitten gestanden.[1]
Redakteur Wurm hatte eine Ader für Klatsch und Tratsch und horchte die Ratssäle der Republik gerne auf Gerüchte ab. Auf jeden Fall öffnet seine Mitteilsamkeit ein Fenster auf das merkwürdige Biotop der Hamburger Zensur unter den Bedingungen von Karlsbad. Wilhelm Amsinck war als Reformer und Aufklärer im Senat gestartet, hatte sich aber mittlerweile in den streng konservativen Bürgermeister verwandelt, war also gegenüber Bartels auf die äußerste Rechte gerückt. Martin Hieronymus Hudtwalcker saß seit 1820 im hohen Haus und kämpfte für die christliche Erweckung, was Dr. Bartels bekanntermaßen für Volksverdummung hielt. Jetzt freute es Hudtwalcker, Spannungen unter den Aufklärern zu entdecken. Denn Johann Albrecht von Sienen, kühl rechnender Finanzminister und streckenweise eben auch Mitglied der Zensurkommission, war offensichtlich in Streit mit seinem Freund Bartels geraten, warf ihm zu viel Nachgiebigkeit vor und schrieb ihm deshalb Aufsätze. Dazwischen saß ein kleiner Beamter, Friedrich Hoffmann, der Berufszensor, und musste den Kopf einziehen. Ungeschoren blieb er trotzdem nicht, wie sich gleich zeigen wird.
Der Publizist Wurm also erhoffte beim Thema Pressefreiheit viel vom linksliberalen Dr. Bartels, in dessen Bibliothek immerhin die Werke von Jean-Jacques Rousseau und anderen Größen der Aufklärung standen.[2] Sein Verdienst wird mehr und mehr gewürdigt werden, wenn er als derjenige erkannt wird, der unter allen Rathsmitgliedern am frühesten die Bahn der Oeffentlichkeit gebrochen.[3] Bartels selbst suchte die Bekanntschaft mit Wurm und wechselte gern ein paar Worte mit ihm. Auch politische Differenzen änderten daran nichts. Ich will und wünsche Oeffentlichkeit und werde sie nach Kräften zu befördern suchen, versicherte Bartels 1831 dem Herausgeber der Börsen-Halle.[4] Wurm hörte es gern.
Karlsbad
Aber was tat ein Vertreter der äußersten Linken eigentlich, wenn er selbst für die Reglementierung der Presse zuständig war? Die Frage stellte sich 1819 mit den Karlsbader Beschlüssen, die die Zensur der Presse auch in Hamburg obligatorisch machten. Dann wurde Senator Bartels auch noch Mitglied der Zensurkommission. Seinerzeit auf Sizilien hatte er sich noch mit Sympathie über die Tricks informieren lassen, wie man die Zensur hintergehen konnte. Jetzt war es nicht mehr so amüsant wie damals in Catania. Im Gegenteil, Bartels hatte das deutliche Gefühl, dass es mit der deutschen Freiheit ein Ende hatte und der Bundestag nur zu bereit war, hinterrüks … à la Carlsbad neue Bedrükungen für Deutschland zu beschließen.[5] Er hatte für diese Befürchtung gute Gründe und besser wurde es auch nicht. Wollte der Himmel, schrieb er 1824 an Johann Smidt in Bremen, als eine neue Welle der Repression anstand, es geschähe etwas das auf eine günstigere Wendung hoffen ließe, aber ich fürchte, es geht noch schlimmer. Man will nicht allein die Carlsbader Maasregeln fortdauern laßen, sondern sie noch verstärken.[6] Er hatte recht, im selben Jahr wurden die Beschlüsse verlängert. Die aufgeklärte Republik verhielt sich aber etwas eigenartig. Sie wollte eigentlich, so Bürgermeister Bartels, es mögte die Prolongation des Presgesezes nicht auf unbestimmte Zeit bewilligt worden seyn; indes so wie die Sache lag, ist es uns doch lieb, daß von Seiten der Städte keine Bedenklichkeiten geäußert worden sind.[7] Es war das Übliche, hohe Politik und diplomatische Leisetreterei. Es passierte auch immer wieder, zum Beispiel als das Großherzogtum Baden Anfang der 30-er Jahre ein liberales Pressegesetz verabschiedete. Der Bund forderte alle Mitglieder auf, die Unvereinbarkeit dieses Gesetzes mit den Karlsbader Beschlüssen zu rügen. Die Republik tat wie geheißen. Sie instruierte ihren Gesandten, die Nichtconformität zu erklären, aber über die Sache wenn es erforderlich oder thunlich ist die liberalsten Ansichten zu äußern.[8] Zähneknirschend und in Sorge um ihre Unabhängigkeit wanden sich die kleinen Staaten, ballten die Faust in der Tasche, wie Bartels das einmal plastisch erklärt hatte – und stimmten zu.
1819 also trat die neue Hamburger Zensurkommission in Aktion, besetzt von Syndikus von Sienen und den jeweiligen Polizeichefs, das waren bis 1820 Johann Heinrich Bartels und danach Amandus Augustus Abendroth. Die Freunde des freien Wortes durften sich jetzt überlegen, wie ihre Grundsätze mit den Forderungen des Deutschen Bundes in Einklang zu bringen waren. Die Beschlüsse des Bundes mussten veröffentlicht werden, damit fing es schon an. Bartels schlug ein paar Modalitäten vor. Erster Grundsatz, die Zensurgesetze durften nicht noch verschärft werden. Das verstand sich vielleicht von selbst, aber in Preußen war es passiert.[9] Und sonst? Die Republik konnte dem Bund nicht den offenen Widerstand erklären. Also veröffentlichte sie die Karlsbader Beschlüsse, ohne sie groß zu erklären.[10] Bartels wollte den guten Bürgern auch noch einmal vertrauensvoll versichern, dass zu dieser Zensur in Hamburg eigentlich gar kein Grund bestehe, daß seit der Wiederherstellung der Freiheit Deutschlands kein Misbrauch der Presse bey uns statt gefunden hat.[11] Aber was nützte das? Für den Bund würde es wie eine Provokation aussehen. Der Senat unterließ es. Alle Zeitungen waren der Zensur unterworfen. Der Syndikus zensierte die großen wie den Hamburgischen Correspondenten, die Wöchentlichen Nachrichten, die übrigen Philipp Andreas Nemnich, selbst Schriftsteller mit umfangreicher Veröffentlichungsliste.[12] Bartels führte die Vorgespräche mit ihm und entwarf die Regeln.[13] Aber eigentlich war die Sachlage alles andere als klar und es entwickelte sich um die Presse ein beständiger Kleinkrieg mit vielen Tricks und Schlichen.
Neu war das auch nicht. Zensur war ein lästiges Geschäft, weil sich mal dieser, mal jener beleidigt fühlte. Und immer wieder standen die Repräsentanten der großen Mächte vor der Tür und beklagten sich. Sehr geübt war darin Graf Grote, seit 1804 mit Unterbrechungen preußischer Gesandter in Hamburg. Er las viel Zeitung. Kaum hatte er seinen Dienst angetreten, brach er den ersten Konflikt vom Zaun und forderte Prätor Bartels direkt und ohne Umweg zur Unterdrückung einer Broschüre auf. Bartels verbot die elende Charteke,[14] wollte sich aber in Zukunft vom preußischen Gesandten keine Vorschriften mehr machen lassen und ließ ihn das auch in deutlichen Worten wissen. Große Aufregung, aber der Prätor beharrte auf seinem Standpunkt. Das müssen die Minister – also die Gesandten – gar nicht glauben, so schrieb er an Syndikus von Sienen, daß sie das thun können. Die Prätoren die durch die Politeße und die très humbles gegen die Minister diesen Unfug, der uns kostspielig genug geworden ist, eingeführt haben, haben sich nicht verdient um den Staat dadurch gemacht. Dies mus wieder abgestellt werden, und dazu habe ich den Anfang zu machen für meine Pflicht gehalten.[15] Als gerader Charakter liebte er die geraden Worte, und zu diesem Fall war zu sagen: Mit scharmanten Unbestimmtheiten führen wir immer die Karre in Drek.[16] Er würde sich nicht entschuldigen und tat es auch nicht. Der Syndikus glättete dann die Wogen, so gut es ging.[17] Geklärt war damit natürlich nichts und Besuche des Grafen Grote gehörten weiterhin zum Tagesgeschäft.
Dr. Johann Heinrich Bartels, Senator der Republik Hamburg, war also zum Widerstand bereit. Aber wie? Im Oktober 1819 forderte ihn der preußische Gesandte auf, die neueste Schrift von Joseph Görres zu beschlagnahmen. Teutschland und die Revolution hieß sie. Bartels öffnete seine Trickkiste, schob allerlei Bedenken vor, fragte beim Senat nach der Rechtslage – und schickte in aller Eile eine Meldung an Buchhändler Friedrich Perthes, damit der schon einmal das in Frage stehende Druckwerk verschwinden lassen konnte. Es könnte eventuell zu einer Hausdurchsuchung kommen, und so habe ich nicht verfehlen wollen Sie zu praeveniren.[18] Praeveniren war wohl mit ‚vorwarnen‘ zu übersetzen. Das zeugte von einem ganz eigenen Pflichtbewusstsein des Chefs der Hamburger Polizei. Er war so liberal, dass er sich veranlasst sah, die eigene Zensur zu hintergehen.
Als Bürgermeister sorgte Bartels denn auch für Publizität im ganz großen Stil – und veröffentlichte den Text der Hamburger Verfassung, auch wenn sich Kollege Amsinck weigerte, das zur Kenntnis zu nehmen und das Werk unaufgeschnitten im Regal verstauben ließ. Das Lesebuch jedes activen Bürgers[19] sollte die Verfassung sein, sie war es aber nicht, weil sie im Druck praktisch nicht zur Verfügung stand. Dieser Unkunde, so Dr. Bartels, mußte ein Ende gemacht werden; denn ehe man nicht weiß, was da ist, warum es da ist, wie es entstand, und was es gewirkt hat, kann man unmöglich lebendig sich dafür interessiren. Jede Anhänglichkeit ist lau, schwankend und vorübergehend, wenn sie nicht vom Verstande gebilligt wird, und von klaren Begriffen und Sachkunde ausgeht.[20] Wissen ersetzt gefühlte Loyalität, das verstand sich für den Bürgermeister irgendwie von selbst.
1823 erschienen die Hamburger Grundgesetze im Druck. Seinen Namen nannte der Herausgeber und Kommentator nicht. Bartels musste allerdings schnell die für jeden Autor betrübliche Erfahrung machen, dass die Öffentlichkeit sich für sein Lieblingsthema nicht sonderlich interessierte. Die Verkaufszahlen hielten sich in Grenzen, und in den Zeitungen erschienen fast keine Rezensionen, die den Absatz hätten anregen können. Dafür gab es einen sehr merkwürdigen Grund. Im Correspondenten verhinderte die Zensur eine Besprechung. Der Bürgermeister wurde zum Opfer des eigenen Zensors, das kam auch nicht jeden Tag vor.[21] Es muss Kollege von Sienen gewesen sein. Als Bartels 1825 einen Supplementband herausgeben wollte, wies er seinen Verleger August Campe fairerweise auf das Risiko hin. Sollten Sie es ablehnen, weil eines Theils das hiesige Publicum wenig Intereße dafür zeigt ja sogar die Censur Behörde nicht einmal eine Recension in der hiesigen gelehrten Zeitung, dem Correspondenten, gestattet; andern Theils auch das auswärtige Publicum wider meine Erwartung das Buch sehr kaltsinnig aufnimmt, indem mir keine Recension deßelben außer der des ersten Theils im Conversationsblatte bekannt geworden: so kann ich durchaus nichts dagegen haben, und Ihnen Ihre Weigerung nicht übelnehmen, auch stehe ich sodann sogleich vom Druke ab.[22] Ende des Jahres erschien das Buch trotzdem. Der Verfasser aber behielt weiterhin die Tarnkappe auf. Sogar Freund Smidt verriet Bartels nicht, dass er selbst der Autor war. Der Herausgeber, schrieb er, bittet mich Ihre Nachsicht bei der Beurtheilung in Anspruch zu nehmen.[23] Wer mochte es wohl sein? Der Bürgermeister war anscheinend sehr gut im Stande, Wahrheit in homöopathischen Dosen zu verabreichen. Auffälliger aber war vielleicht noch dieses: Die Aufklärer erwarteten von Publizität wahre Wunder, die aufzuklärende Öffentlichkeit hingegen ließ sogar grundlegende Werke zum Hamburger Republikanismus kaltsinnig in den Regalen stehen. Es war ernüchternd.
Abendroth: Nicht zu scharf mit der Zensur
In aufgeklärter Publizität übte sich auch Kollege Amandus Augustus Abendroth. Am 3. April 1840 schrieb Verleger Julius Campe an seinen Autor Heinrich Heine: Dr Hoffmann ist noch immer der Ordinaire Censor, wie 1826, wo ich ihn durch Abendroth besiegte.[24] Damals war Abendroth als Polizeichef Mitglied der Zensurkommission und hatte wohl dafür gesorgt, dass der literarische Wächter der Republik Heines Reisebilder nicht allzu sehr entstellte. Heine erinnerte sich Jahre später in Deutschland. Ein Wintermärchen daran. In Caput XXIV traf er Göttin Hammonia. Die trank ein Glas Rum und tröstete den Dichter über die elbischen Verhältnisse: Auch die Zensur ist nicht mehr streng / Hoffmann wird älter und milder / Und streicht nicht mehr im Jugendzorn / Dir deine Reisebilder.[25] Die Dame Hammonia hätte auch auf den nunmehrigen Bürgermeister Abendroth und seine freisinnige Zensurpraxis zu sprechen kommen können. Aber das war unpassend, wie sie sicher wusste.
Die Republik und ihre Printerzeugnisse wurden vom Deutschen Bund mit Misstrauen beobachtet. Abendroth und Bartels fürchteten seine Exekution, ballten die oppositionelle Faust allenfalls in der Tasche und waren ganz froh, nicht als Freunde der kritischen schönen Literatur, gar des Jungen Deutschland, öffentlich in Erscheinung zu treten. Das hätte jeden Zensor in Verlegenheit gebracht, von den Herren Senatoren zu schweigen. Der Zensor Dr. Hoffmann hatte es allerdings auch nicht leicht. 1828 wurde ihm vom Senat wegen unzureichender Zensur die Entlassung angedroht.[26] Auch vom Polizeichef Abendroth kamen Beschwerdebriefe. Dem ging es nicht um Unterdrückung von Fakten. Die publizierte er im Zweifelsfalle selbst und ließ sich durch gute Argumente überzeugen. Das war aufgeklärter Diskurs. Nur mussten es eben Fakten sein. Hoffmann hatte aber einen wohl humoristisch gemeinten Artikel über das nichtöffentliche Abitur durchgehen lassen, was ich – so schrieb ihm Senator Abendroth –, als einen öffentlichen hämischen ganz ungegründeten Angriff auf das Johanneum gewiß gestrichen hätte.[27] Häme war kein Faktum und so erhielt der Zensor umgehend einen Verweis wegen Unaufmerksamkeit. Will man mit Gründen den Weg angreifen den wir gehen so habe ich nicht nur nichts dagegen, sondern werde es gern sehen, nur solche hämischen … Worte müssen weg bleiben,[28] schrieb Abendroth an Hoffmann. Aber Polemik vom Argument zu unterscheiden war wohl nicht immer ganz leicht und führte zu schlaflosen Nächten beim Zensor.
In Ritzebüttel hatte Gouverneur Abendroth zu seiner Zeit wenig Gelegenheit zu zensieren. Ein Fremdenblatt, von ihm selbst gegründet, listete die Besucher des Bades auf, viel mehr nicht. 1831 regte sich dann doch etwas. Edward Ross, der reiche Hamburger Verleger, gründete in Cuxhaven eine Tageszeitung, den Neptunus. Das Blatt hatte ein langes Leben vor sich, erschien bis 1922 unter verschiedenen Namen und bei verschiedenen Verlegern. Der Anfang war nicht ganz leicht, aber der Unternehmer hatte hinlänglich langen finanziellen Atem, um erste Verluste zu verkraften. In Ritzebüttel war gerade Caspar Hartung Gouverneur, und Abendroth riet ihm, das neue Projekt zu fördern: Der Ross hat mir so eben das 2te Blatt seines Neptunus gebracht; so überspante Ideen er auch sonst hat, so ist es doch zu wünschen, daß dies Blatt fortkomme.[29] Es hatte Erfolg und damit stellte sich die delikate Frage nach der Zensur und danach, ob Hartung das Blatt in irgendeiner Form öffentlich anerkennen, also privilegieren sollte. Aus Hamburg kamen abendroth-typische Ratschläge: Ich sollte nun meinen daß so wie Sie sonstige Privilegien geben ohne jemand zu fragen, Sie es auch mit der Zeitung so machen können, höchstens würde ich es als Anzeige in die Correspondenz mit v. Sienen einfliessen lassen – Wenn Amplissimus Senatus hernach wegen der Censur Monita macht so steht ihm dies ja immer frei – Wer viel frägt erhält viele Antworten.[30] Also nicht lange zögern, das neue Blatt öffentlich fördern und dann für eine liberale Zensur sorgen. Sie werden schon aufpassen, schrieb Abendroth an Hartung, daß keine Krähwinkliaden passiren wozu man in einem kleinen Ort so sehr geneigt ist, so wie auch wir nicht ganz frei davon sind.[31] Es war eine ziemlich gutmütige Presseaufsicht. Schreckenstage in Krähwinkel waren nicht zu befürchten.
Der Neptunus profitierte davon. Haben Sie etwas Geduld mit dem sonst redlichen Ross, und behandeln Sie ihn nicht zu scharf mit der Censur,[32] war Abendroths Rat an Gouverneur Hartung. Gut gemeint, aber jetzt kam Ferdinand Beneke dazwischen. Dieser konservative Aktivist hatte die neue Zeitung in Ritzebüttel entdeckt, und offensichtlich gefiel ihm nicht, was er dort lesen musste. Das übliche liberale Gewäsch, er konnte es nicht mehr hören und beschwerte sich über die lasche Zensur – beim Präsidium der Bürgerschaft. Heraus kam das gewünschte Verbot. Abendroth meldete den Ärger an Hartung in Ritzebüttel: Die OberAlten haben durch ihren Aristocratischen Secretair den Senat auf den Neptunus und dessen politische Artikel aufmerksam gemacht; mea absentia, hat der Referent ein inhibitorium – also ein Verbot – erlassen, die Sache ist aber so böse nicht gemeint, und man ist dort gar folgsahm gewesen, wenn Sie es können so lassen Sie etwas in der Strenge nach, er steht ja unter Ihrer Censur, lassen Sie etwas unschädliches passiren.[33] Die Konstellation war leicht verrückt. Ein ehemaliger Jakobiner stachelt in konservativer Absicht die Zensur auf, und das erschrockene Provinzblatt verstummt so vollkommen, dass es vom liberalen Bürgermeister, dem alten Freund des Fortschritts, aufgefordert werden muss, doch auch mal wieder etwas Politisches zu bringen. Und wem war das alles zu verdanken? Dem aristokratischen Sekretär Dr. Beneke. Aber was war ein aristokratischer Sekretär? Ein absurdes Zwitterwesen. Ein Sekretär, der sich als Aristokrat und Hüter der politischen Wahrheit aufspielte. Einfach lächerlich. Dr. Abendroth empfand es als Anmaßung, welche Rolle sich der Sekretär der Oberalten im Präsidium der Bürgerschaft zulegte und wie er versuchte, dort reaktionäre Politik durchzusetzen.
Benekes Feldzug gegen die politischen Artikel des Neptunus war womöglich auch eine späte Rache für Publikationsverbote, denen er einige Jahre zuvor selbst zum Opfer gefallen war. Senator Abendroth, frisch zurück aus Ritzebüttel und neuer Polizeichef, hatte sich in den Wöchentlichen Nachrichten über die Notwendigkeit einer sparsamen Sozialpolitik ausgelassen. Für christlich-erweckte Gemüter, die Barmherzigkeit auf ihre Fahnen geschrieben hatten, war das nicht leicht zu ertragen – Beneke zum Beispiel. Er erklärte das Bettelverbot zu einer Grausamkeit, erlitt damit aber publizistischen Schiffbruch. Wieder die Zensur. Ein Aufsatz des Herrn Abendroth, schrieb er an seinen Freund Karl Sieveking, über unser Armenwesen drang meinem Gewißen einige Bemerkungen ab, … welche das Resultat einer 20-jährigen Erfahrung sind … Ob diese Bemerkungen anständig genug geschrieben sind, um die Censur zu paßiren, unterliegt Deiner eigenen Beurtheilung. Genug sie wurden in den Wöchentlichen Nachrichten gedruckt, aber nur auf dem Censurbogen, denn Herr v. Sienen strich sie.[34] Beneke hatte den Eindruck, dass die Zensur es auf ihn abgesehen hatte, und bat Sieveking, bei Sienen zu vermitteln. Ansonsten wollte er sich direkt beim Senat beschweren. Die Lage konnte schnell vollkommen undurchsichtig werden. Die Parteien, auch wenn sie sich nicht so nannten, nutzten nicht nur die Öffentlichkeit, sondern auch die Zensur, wenn sie konnten. Man darf annehmen, dass die guten Beziehungen Abendroths zum Zensurchef von Sienen – immer der respectabelste Mann in unserm Collegio[35] – nicht ganz unwichtig bei dessen Entscheidungen waren. Die gewieften Politiker der Republik, auch die Aufklärer, kannten da den einen oder den anderen Trick. Sekretär Beneke hingegen litt in dieser Hinsicht unter einer gewissen Blauäugigkeit: die Richtigkeit oder Irrthümlichkeit der Meinung liegt ja außer dem Gesichtskreise der Censur.[36] Das war allerdings sehr die Frage.
Ganz ohne presserechtliche Bestimmungen ging es nicht. Das fiel im revolutionären Klima von 1830 besonders auf, wo die Medien mit aufgeregten Behauptungen aufwarteten, die von Wahrheit und Dezenz gleichermaßen weit entfernt lagen. Der öffentliche Diskurs gewann gerade eine ganz neue Qualität: calumniare audacter; interim aliquid haeret.[37] Senator Abendroth liebte und zitierte gern römische Sinnsprüche, die so auffallend realitätsnah waren. Was dagegen zu tun war, war ihm nicht ganz klar: Es bedarf die Beantwortung der Frage: ob es für einen kleinen Staat wie Hamburg, paßt, eine Bestrafung zu veranlassen, wenn das aus der Preßfreiheit resultirende Uebel schon geschehen, oder ob es besser ist, durch eine sehr liberale Censur, die gegen Persönlichkeit – gemeint waren Beleidigungen – schützt, dem Eintreten des Uebels vorzubeugen? einer sehr reiflichen Ueberlegung.[38] Unter den gegebenen Umständen kannte der langjährige Innensenator mit Zuständigkeit für die Überwachung der Presse nur eine Option: eine sehr liberale Zensur. Es war eine temporäre Lösung auf Sicht.
Beneke: Pressefrechheit
Eine leicht umzusetzende Blaupause für Pressefreiheit gab es nicht. Zu viele Eventualitäten waren zu berücksichtigen, der Deutsche Bund zum Beispiel, der ja bekanntermaßen die schönsten republikanischen Absichten zunichte machte. Da konnten die fortschrittlichen Bürger Hamburgs so viel Pressefreiheit fordern, wie sie wollten, wie können wir aber die in Hinsicht auf auswärtige Verhältniße zugestehen? Bartels raufte sich gerade die Haare: In Hinsicht der internorum – in Gottes Namen, nur mus dann die anonyme Schriftstellerei wegfallen, und eine strenge Verantwortlichkeit eintreten.[39] Ein Patentrezept war weit und breit nicht in Sicht, auch nicht für den alten Vorkämpfer der Pressefreiheit, den Hamburger Bürgermeister Bartels. Aber er hatte da eine Idee. Es reichte nicht zu streichen und zu verbieten, aktive Pressearbeit war nötig. In Bremen erfüllte diesen Zweck das Politische Wochenblatt. Genau der richtige Weg, so schrieb er an den Kollegen Smidt nach Bremen: Die Tendenz des politischen Wochenblattes gefällt mir sehr, und die Einrichtung ist bei der allgemeinen Aufregung in Bremen, und bei dem unbürgerlichen Verfahren der Radicalen in fremden Zeitungen Insertionen in ihrem Sinn zu machen, als Gegenmittel sehr zwekmäßig, um so mehr da in dem Redacteur sich alles vereinigt, was zu wünschen ist.[40] Der Redakteur war Smidts Sohn.
Die Freunde der Nation legten sich eine besondere Ansicht über die Funktion der Presse zurecht. Dr. Beneke, der gegen den Ritzebüttler Neptunus so entschlossen eingeschritten war, konnte sich mächtig über die grassirende SeelenPest der PreßFrechheit aufregen,[41] und zog seine Konsequenzen. An die Stelle des aufgeklärten Diskurses zur Feststellung von Zweckmäßigkeit und Wahrheit trat die Idee der Lenkung der öffentlichen Meinung. Man konnte es auch Propaganda nennen. Sie war eine Erfindung des Krieges – eine Art geistige Aufrüstung gegen die Revolution und die napoleonische Neuordnung Europas, von grundsätzlich konservativer Tendenz. Folglich steigerte sich die Dringlichkeit der Lenkung der Öffentlichkeit nach jeder militärischen Niederlage. 1806 zum Beispiel, nach dem Desaster Preußens, auf das der deutsch fühlende und predigende Beneke so große Hoffnungen setzte. Es giebt eine öffentliche Meinung, Ferdinand Beneke versuchte die preußische Regierung zu begeistern, obwohl sie gerade nicht in der Stimmung war. Ohne sie besteht kein Staat mehr. Mit ihr im Bunde geht keiner zu Grunde.[42] Das reimte sich sinnreich und klang gut. Ähnliches war in den Zeitschriften der Republik zu lesen, 1810 zum Beispiel im Vaterländischen Museum von Friedrich Perthes, der Autor war Joseph Görres.[43] Der nahm allerdings an, dass die öffentliche Meinung sich ganz von selbst im Geiste eines Volks[44] bilden würde.
Darauf wollte Beneke es lieber nicht ankommen lassen. Der Staat sollte die öffentliche Meinung lenken, sie bedarf einer weckenden, leitenden, ersten Stimme. Die Regierung muß sie inspiriren. Zeitungen und allgemeingelesene Zeitschriften sind die Organe dieser Stimme. Tüchtigen, rüstigen, menschenkundigen, geistvollen Schriftstellern, vertraue man von Staatswegen diese Organe an. Lange genug bediente sich Frankreich dieser allmächtigen Mittel mit ungeheurem Erfolge. Oestreich kannte sie nicht und fiel. – Zeitungen! Dieser mächtige Hebel der Volkskraft! – Dieses allerwichtigste Kapitel in der jetzigen Diplomatik! – möge Preußen sich izt ihrer ungesäumt bedienen, um von Memel an bis zum Rhein das empfängliche, gereizte Volk zu ergreifen, zu begeistern, zu bewaffnen, zu richten, dahin wo’s gilt.[45] Die alliterative Kraft von Maas und Memel hatte sich ihm noch nicht erschlossen. Der Begriff Propaganda ist also nicht ganz falsch, auch wenn Beneke sie sich eher kleistisch angeweht dachte, nicht dümmlich, wie sie meistens ausfiel. Kraftvoll sollte sie auf jeden Fall sein und die Seele des Volkes ergreifen. Nur eben, das Volk sollte ergriffen werden, es ergriff nicht selbst. Die nationale Poesie hatte die Nation noch nicht erreicht, und es war fraglich, ob sie von selbst darauf kommen würde.
Der Bremer Senat war bereit, einen Versuch mit der Öffentlichkeitslenkung zu machen. Mit der Bremer Zeitung schuf er sich ein eigenes Sprachrohr. Senator Smidt zog die Strippen. Aus Frankfurt kannte er August Bercht. Der hatte in Leipzig Geschichte studiert, in Lützows Freicorps gedient, trug Knebelbart und deutschen Rock und schrieb für den Rheinischen Merkur – für die heilige deutsche Volksstimme,[46] so erläuterte Beneke die Richtung dieses Presseorgans. Smidt machte Bercht Anfang 1816 zum leitenden Redakteur der Bremer Zeitung – auf Rechnung der Republik. Vorher hatte er Karl Sieveking das Angebot gemacht – mit Aussicht auf eine Wahl in den Bremer Senat. Sieveking allerdings war skeptisch. Er würde in die Hände einer doch nicht ganz beliebten, herrschenden Partei in der neidischen Nachbarstadt fallen, schrieb er an Perthes.[47] Dafür kam Bercht nach Bremen, wo er jetzt der dortigen Zeitung (für diesen Augenblick das beßte deutsche Zeitblatt) vorsteht, und dafür ein festes Gehalt von 1000 Thalern vom Staate erhält.[48] So sichtlich beifällig Beneke, der eine Schwäche für die Lenkung der Öffentlichkeit hatte. In Preußen allerdings galt Bercht wenige Jahre später als Demagoge. Pressearbeit war nicht ganz ungefährlich. Die Hamburger Republik tat sich mit dieser Form der Beeinflussung der öffentlichen Meinung sichtlich schwer.
Nach der Revolution von 1830 wurde aus der Lenkung der Öffentlichkeit ein Gesetzgebungsprojekt. Initiator war Benekes alter Freund Senator Martin Hieronymus Hudtwalcker. Seine Eckpunkte für ein neues Pressegesetz: Ausdehnung der Stempelsteuer auf alle Zeitungen und Zeitschriften; verschärfte Zensur; sofortige Suspendierung eines Blattes, das dagegen verstieß; Kautionspflicht der Buchdrucker.[49] Er war allerdings kein Freund der Vorzensur, entwarf später ein Gesetz für die nachträgliche Bestrafung von Pressevergehen: Kautionen von bis zu 6.000 Mark für renitente Drucker, maximale Strafe zehn Jahre Zuchthaus für erfolgreiche Anstiftung zum Aufruhr.[50] Er war nicht zimperlich.
Auf den ersten Blick in eine andere Richtung ging die damit verbundene Idee, die Zensur in Hamburger Angelegenheiten zu lockern, Öffentlichkeit in inneren Angelegenheiten herzustellen also. Damit sah es in der Republik nicht sonderlich gut aus. Ueber allen öffentlichen Verhandlungen schwebt das größte Dunkel, so charakterisierte Hudtwalcker die Lage im Senat. Und doch will unsre Zeit etwas wissen, sie will Theil nehmen am Leben des Staats; und dies ist wahrlich nicht ihre schlechteste Seite.[51] Mit Pressefreiheit hatte das aber nicht viel zu tun. Der Senator hatte bei diesem Unternehmen ein Vorbild im Auge: Fürst Metternich. Der hatte schon 1810 den Österreichischen Beobachter gegründet, an der reaktionären Linie seines Ministeriums änderte es nichts. Aber Fürst Metternich, so erläuterte Hudtwalcker seinen Kollegen in der Ratsstube, hat seine Zeit recht wohl begriffen, und der ruhige feste Gang des Oesterreichischen Beobachters hat die Politik dieses Kabinetts weit populärer gemacht, als es ohnehin je der Fall gewesen seyn würde.[52] Möglicherweise hatte der Senator selbst etwas viel im Österreichischen Beobachter gelesen. Das preußische Pendant, die Staatszeitung, fand er freisinnig – ausgerechnet.
Bürgermeister Bartels wird diese Auswahl des Lesestoffs mit Befremden zur Kenntnis genommen habe. Er war ja überzeugt, dass Preußen und Österreich den kleinen Staaten das Fell über die Ohren ziehen wollten.[53] Der Vorschlag Hudtwalckers, die literarischen Blätter durch eine Stempelsteuer zu verteuern, hatte es 1833 bis in die bürgerlichen Kollegien geschafft. Bartels wandte sich ausdrücklich dagegen und teilte das in deutlichen Worten der Presse selbst mit, dem Herausgeber der Kritischen Blätter der Börsen-Halle nämlich, so dünkt mich ist es jezt Zeit das nachtheilige und unhaltbare einer solchen Besteuerung der Geistes Producte öffentlich darzulegen.[54] Der Stempel kam, traf dann allerdings besonders die kleinen Skandalblätter, während die führenden Zeitungen ausgenommen blieben. Damit konnten auch Liberale leben.[55] Immerhin erlaubte der Senat Ende 1832 die Darstellung lokaler Themen in den Blättern der Republik.[56] Das war ein echter Fortschritt, der unmittelbar zu einer dichten Hamburg-Berichterstattung der Presse führte. Das Bürgerschaftspräsidium äußerte Zufriedenheit, wie immer durch seinen Sekretär. Die Oberalten glaubten, so Beneke, daß die während des Jahres 33 vielfach benutzte größere Freyheit, öffentliche einheimische Angelegenheiten in unsern privilegirten periodischen Blättern zu verhandeln, mehr Nutzen als Schaden gestiftet hat.[57] Es gab Ausnahmen, die Neue Zeitung zum Beispiel, aber die fielen nicht ins Gewicht.
Mit der aktiven Lenkung der öffentlichen Meinung sah es hingegen weniger gut aus. Edward Banks, Bartels‘ Schwiegersohn, erhielt den Auftrag, offiziöse Artikel zu lancieren; seinen Namen sollte er dabei nicht nennen.[58] Es erschien aber nur ein einziger Artikel.[59] Damit fehlte das zentrale Element der Strategie gegen die Pressefrechheit, wie Beneke sie immer wieder nannte: ein offizielles Blatt zur Lenkung der Öffentlichkeit. Diese Lücke führte dazu, dass der Sekretär und das Bürgerschaftspräsidium bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf das Thema zurückkamen. Akut wurde es 1842. Da der Senat sich schon seit einiger Zeit auf diesem Ohr taub stellte, erfolgte der neue Anlauf in sichtlich gereizter Stimmung. Es sei unerlässlich, so stellte Beneke die Ansicht des Präsidiums dar, daß der Staat selbst durch ein eigenes Organ eine von ihm ausgehende geregelte Oeffentlichkeit anordne, und durch dieses Organ auch die nicht von ihm ausgehende, aber freygestellte, Oeffentlichkeit überwache, und leite![60] Dr. Beneke, immer starrer, immer apodiktischer, war der Geduldsfaden gerissen.
Am liebsten hätte er wohl seine eigenen jährlichen Übersichten über die politische Entwicklung der Republik drucken und zum Goldstandard der politischen Kommunikation erklären lassen. Der Oberaltensekretär hielt sich zwar zurück, aber jeder wusste ja, dass er so etwas schrieb. Den Gedanken eines solchen jährlichen öffentlichen Schrittes vonseiten der Regierung werden Ehrbare Oberalten als ein ‚Carthago delenda‘ so oft wiederholen, bis er in irgend einer Modifikazion bey E.E. Rath Beifall findet. Er ist eine Forderung der Zeit, welche nicht überhört werden darf, ohne das Gemeinwesen dem alles Vertrauen emsig untergrabenden und Grundstürzenden Treiben einer … Macht preiszugeben, welche sich … ruhmredig brüstet in den Worten: ‚mit den 24 kleinen Soldaten, die Guttenberg exerciren lehrte, können wir alles abmachen ohne auch nur den Schlafrock auszuziehen!‘ – Täuschen wir uns über Gefahren dieser Art nicht![61] Der Cato der Hamburger Republik, Sekretär Ehrbarer Oberalten, sah tiefschwarz. Andere blieben ruhig. Eine ministerielle Zeitung werde … mit Mistrauen in die Hand genommen, meinte der Senat trocken und sachlich korrekt.[62] Der Österreichische Beobachter jedenfalls, den Dr. Hudtwalcker so gern las, hatte keine lange Lebenserwartung mehr. Er stürzte 1848 mit dem Regime, das er popularisieren sollte.
Die Abkürzungen StAHH, StAB und StACux beziehen sich auf Bestände der Stadt- und Staatsarchive von Hamburg, Bremen und Cuxhaven; die Fußnoten auf die Literaturliste.
[1] SUB, Nachlass Christian Friedrich Wurm Bd 52, einleitende Bemerkungen Wurms über Bartels.
[2] Trepp: Männlichkeit, S. 327.
[3] SUB, Nachlass Christian Friedrich Wurm Bd 52, einleitende Bemerkungen Wurms über Bartels.
[4] SUB, Nachlass Christian Friedrich Wurm Bd 52 Dok 2, Bartels an Wurm, 22.8.1831.
[5] StAB, 2 B 5 a 7, Bartels an Smidt, 8.10.1822.
[6] StAB, 2 B 5 a 7, Bartels an Smidt, 24.6.1824.
[7] StAB, 2 B 5 a 7 Vol 2, Bartels an Smidt, 25.8.1824.
[8] StAB, 2 B 5 a 7 Vol 2, Bartels an Smidt, 10.3.1832.
[9] StAHH, Senat Cl I Lit 5a Vol 8a Dok 10, Entwurf Bartels’ zur Veröffentlichung der Karlsbader Beschlüsse, 8.11.1819.
[10] StAHH, Senat Cl I Lit 5a Vol 8a Dok 11, Bartels an einen Senatskollegen, 9.11.1819; Gesetzestext bei Anderson/Lappenberg, Sammlung, Bd. 6, S. 118–123.
[11] StAHH, Senat Cl I Lit 5a Vol 8a Dok 10, Entwurf Bartels’ zur Veröffentlichung der Karlsbader Beschlüsse, 8.11.1819.
[12] Böning: Presse, S. 454.
[13] Dreyer: Hamburg, S. 191f.
[14] StAHH, Senat Cl VII Lit Ma No 5 Vol 3i, Bartels an Grote, 23.5.1804.
[15] StAHH, Senat Cl VII Lit Ma No 5 Vol 3i, Bartels an Syndikus von Sienen, o. D., wahrsch. Mai 1804.
[16] StAHH, Senat Cl VII Lit Ma No 5 Vol 3i, Bartels an Syndikus von Sienen, o. D., wahrsch. Mai 1804.
[17] StAHH, Senat Cl VII Lit Ma No 5 Vol 3i, Schreiben Grotes, 7.6.1804.
[18] StAHH, Familie Perthes Friedrich Perthes I Mappe 11b Dok 244, Bartels an Perthes, 9.10.1819.
[19] Bartels: Abdruck, S. 3.
[20] Bartels: Abhandlungen, S. IV.
[21] Eine sehr ausführliche Besprechung erschien dann einige Jahre später in der Allgemeinen Literatur-Zeitung vom März 1829, S. 338–356.
[22] SUB Hamburg, Campe Sammlung 5, Bartels an August Campe, 14.7.1825.
[23] StAB, 2 B 5 a 7 Vol 2, Bartels an Smidt, 20.12.1825.
[24] Heinrich Heine an Julius Campe, 3.10.1840, http://www.hhp.uni-trier.de/Projekte/HHP/Projekte/HHP/searchengine/briefe?briefnr=HSA25,537&letterid=W25B0537&lineref=A250_29&mode=2&textpattern=immer%20der%20ordinaire&firsttid=0&widthgiven=30, abgerufen 19.12.2022.
[25] Heine: Sämtliche Schriften, Bd. 7, S. 636.
[26] Dreyer: Hamburg, S. 197.
[27] StAHH, Senat Cl VII Lit Lb No 16 Vol 7 Fasc 1 Dok 194, Abendroth an Hoffmann, 19.4.1829.
[28] StAHH, Senat Cl VII Lit Lb No 16 Vol 7 Fasc 1 Dok 194, Abendroth an Hoffmann, 19.4.1829.
[29] StACux, Amtsarchiv Ritzebüttel I Fach 13 Vol B Fasc 2 Dok 133, Abendroth an Hartung, 22.8.1831.
[30] StACux, Amtsarchiv Ritzebüttel I Fach 13 Vol B Fasc 2 Dok 133, Abendroth an Hartung, 22.8.1831.
[31] StACux, Amtsarchiv Ritzebüttel I Fach 13 Vol B Fasc 2 Dok 133, Abendroth an Hartung, 22.8.1831.
[32] StACux, Amtsarchiv Ritzebüttel I Fach 13 Vol B Fasc 2 Dok 147, Abendroth an Hartung, 13.3.1832.
[33] StACux, Amtsarchiv Ritzebüttel I Fach 13 Vol B Fasc 3 Dok 22, Abendroth an Hartung, 25.10.1832.
[34] StAHH, Familie Sieveking I E2 Bd 1, Beneke an Sieveking, 5.2.1822.
[35] StACux, Amtsarchiv Ritzebüttel VIII Fach 3 Vol A Fasc 2 Conv I, Abendroth an Graepel, 19.2.1815.
[36] StAHH, Familie Sieveking I E2 Bd 1, Beneke an Sieveking, 5.2.1822.
[37] Abendroth: Beleuchtung, S. 3. Verleumde kühn, es wird schon etwas hängenbleiben.
[38] Abendroth: Beleuchtung, S. 18f.
[39] StAB, 2 B 5 a 7 Vol 2, Bartels an Smidt, 18.6.1831.
[40] StAB, 2 B 5 a 7 Vol 2, Bartels an Smidt, 28.2.1832.
[41] Beneke: Tagebücher, Jahresrückblick 1828.
[42] Beneke: An Preußen, zitiert nach Möller: Politik, S. 45f.
[43] Der Text findet sich bei Spies: Erhebung, S. 160–165.
[44] Spies: Erhebung, S. 162f.
[45] Beneke: An Preußen, zitiert nach Möller: Politik, S. 45f.
[46] Beneke an Friedrich Ludwig Wilhelm Philipp v. Vincke, 30.10. und 18.11.1815, Beneke: Tagebücher, Bd. III/6, S. 282.
[47] Karl Sieveking an Perthes, 27.3.1815, zitiert nach Poel: Bilder, Bd. 2, Abtlg. 1, S. 239f.
[48] Beneke: Tagebücher, 3.7.1816.
[49] StAHH, Senat Cl VII Lit Ba No 1 Vol 7 Dok 1, Referat Hudtwalckers im Senat, 27.10.1830.
[50] StAHH, Senat Cl VII Lit Ba No 1 Vol 7 Dok 9, Entwurf eines Pressegesetzes von Hudtwalcker, o. D.
[51] StAHH, Senat Cl VII Lit Ba No 1 Vol 7 Dok 1, Referat Hudtwalckers im Senat, 27.10.1830.
[52] StAHH, Senat Cl VII Lit Ba No 1 Vol 7 Dok 1, Referat Hudtwalckers im Senat, 27.10.1830.
[53] StAB, 2 B 5 a 7 Vol 2, Bartels an Smidt, 8.12.1822.
[54] SUB, Nachlass Christian Friedrich Wurm Bd 52 Dok 7, Bartels an Wurm, 11.6.1833.
[55] Allgemeine Zeitung, 27.11.1833.
[56] StAHH, Senat Cl VII Lit Ba No 1 Vol 7 Dok 25, Senatsbeschluss, 16.11.1832.
[57] StAHH, Senat Cl VII Lit Ba No 1 Vol 7 Dok 39, Erfahrungsbericht der Oberalten nach einem Jahr Öffentlichkeit Hamburger Angelegenheiten, Beilage zu Dok 38, Resolution des Bürgerschaftspräsidiums, 7.4.1834.
[58] StAHH, Senat Cl VII Lit Ba No 1 Vol 7 Dok 27b, Senatsbeschluss, 7.12.1832.
[59] StAHH, Senat Cl VII Lit Ba No 1 Vol 7 Dok 39, Erfahrungsbericht der Oberalten nach einem Jahr Öffentlichkeit Hamburger Angelegenheiten, Beilage zu Dok 38, Resolution des Bürgerschaftspräsidiums, 7.4.1834.
[60] StAHH, Senat Cl VII Lit Ba No 1 Vol 9 Dok 30, von Beneke formulierte Resolution des Bürgerschaftspräsidiums, 19./21.12.1842.
[61] StAHH, Senat Cl VII Lit Ba No 1 Vol 9 Dok 19, von Beneke formulierte Beilage zur Resolution des Bürgerschaftspräsidiums, 19.11.1842.
[62] StAHH, Senat Cl VII Lit Ba No 1 Vol 9 Dok 42, Senatsresolution, 7.8.1844.


