72. Die Hamburger Gesundheitsreform von 1818
Kontrolle ist besser als Konkurrenz
Im 18. Jahrhundert begann sich die naturwissenschaftlich begründete Medizin in Europa durchzusetzen. Die Pockenimpfung und Fortschritte in Hygiene und öffentlicher Gesundheitsvorsorge führten zu einem messbaren Rückgang der Sterblichkeit. Krankenhäuser mit fachlich geschultem Personal ersetzten nach und nach die alten Hospitäler, in denen häufiger gestorben als geheilt wurde. Was war die Aufgabe aufgeklärter Politik?
Dies ist Teil 72 der Aufklärung in Hamburg: Johann Heinrich Bartels, Amandus Augustus Abendroth, Ferdinand Beneke und die Verbesserung einer deutschen Republik 1790–1835. Die Einleitung beschreibt, worum es geht, und ein Überblick über die bisher veröffentlichten Kapitel findet sich hier.
Die Gesundheitsreform hatte in Hamburg allererste Priorität. Johann Arnold Günther, seit 1792 mit Rückenwind von der Patriotischen Gesellschaft Führer der Aufklärer im Senat, konzipierte ein Gesetz, das es 1797 bis zu den Oberalten in das Bürgerschaftspräsidium schaffte. Dann wurde er krank und mit ihm starb das Reformprojekt. Senator und Prätor Johann Heinrich Bartels griff es kurz danach wieder auf und beauftragte seinen Gesundheitsdirektor Dr. Rambach damit. Auch der starb vor der Zeit. 1815/16 nahm Bartels, mittlerweile Polizeichef der Republik, die Sache selbst in die Hand. Im August 1816 stellte er im Senat ein Gesundheitsgesetz vor, ausgearbeitet von ihm selbst. Aus diesen Vorschlägen zweier sehr verdienter Männer, Bartels meinte Günther und Rambach, habe ich denn nun einen dritten Entwurf zusammengesezt, oder vielmehr das aus ihrer Arbeit ausgewählt was für den gegenwärtigen Moment mir noch paßlich schien und das verändert, was meiner Meinung nach, nach der gegenwärtigen Lage der Dinge verändert werden muste.[1] Es war etwas bescheiden ausgedrückt. Bartels gab den ersten Entwürfen eine ganz neue Richtung.
Aus einer Medizinalordnung, die noch weitgehend dem Mantra der Gewerbefreiheit folgte, machte er ein Gesetz zur aktiven staatlichen Regulierung. Wo es um Leben oder Tod ging, regelte sich seiner Meinung nach gar nichts von selbst. Diesen Standpunkt hatte auch das patriotische Journal Hamburg und Altona schon einmal prägnant zum Ausdruck gebracht, denn es ist doch wahrlich zu bedenklich, auch da der Freiheit das Wort zu reden, wo es auf Menschenleben ankommt.[2] Die Qualität der medizinischen Versorgung musste durch Kontrollen gesichert werden, nicht durch wilde Konkurrenz der Ärzte und Apotheker. Unsichtbare Hände waren mit komplexen Sachverhalten technisch-wissenschaftlicher Natur stark überfordert. Es bedurfte einer staatlichen Qualitätssicherung, wenn der Patient nicht durch profitable Tinkturen mit Arsenanteil oder inkompetente Ärzte irreparablen Schaden nehmen sollte. Es war ein Fall von aufgeklärter Administration von oben, die auch Freund Abendroth schätzte. Künftig werden hoffentlich die Bürger, so wandte sich Bartels in der Begründung seines Gesundheitsgesetzes an den Konvent, nun nicht mehr ein Spiel unwissender Quaksalber seyn, die unter den zum Theil erborgten Titeln von Doctoren oder Aerzten, Gesundheit und Leben in Gefahr bringen, und im Innern der Familien unentdekt großes Unheil stiften.[3]
Modern der Inhalt, modern das Verfahren. Die Vorlage war nicht leicht zu verstehen. Das parlamentarische Prozedere musste darauf Rücksicht nehmen. Der Senator traf seine Vorkehrungen und ließ eine Öffentlichkeitskampagne anrollen. Das Opus ist nicht klein, erklärte er seinen Kollegen im Ratssaal, und wird der Vortrag desselben einige Zeit wegnehmen. Um nun aber die Uebersicht, die Deliberation und den Antrag in der Bürgerschaft zu erleichtern proponire ich, daß der Entwurf vor der Deliberation als Entwurf zu derselben gedrukt und im Senat vertheilt werde. Dann kann ein jeder der Votanten sich besser über die Sache instruiren und ein reiferes Votum abgeben. Der Antrag selbst wird, wie ich glaube dadurch sehr abgekürzt.[4] Es war ein Klassiker aufgeklärter Publizität. Keine wilden Unterstellungen in Schlagzeilenformat, sondern Sachkenntnis, Selbstinstruktion und reife Entscheidungen Paragraf für Paragraf vom Leser zu erarbeiten, das versprach sich dieser Freund des öffentlichen Diskurses vom gedruckten Wort. Auf mittlere Sicht war das etwas optimistisch, in diesem Fall aber scheinbar wirkungsvoll. Der Entwurf wurde nicht nur im Senat, sondern auch unter den Bürgern verteilt, vorzugsweise unter denen vom Fach. Man wird bei der künftigen Deliberation über diesen wichtigen Gegenstand gern die Bemerkungen sachkundiger Männer benutzen, und man fordert sie auf, bis Ende September dieses Jahres dieselben der Polizei-Behörde zuzusenden, schrieb Bartels im gedruckten Entwurf des Gesundheitsgesetzes.[5] Die Sache machte einen guten Eindruck.
Die Rückmeldungen kamen reichlich. Ein Doktor Grasmeyer war gegen die Staatsprüfung von Ärzten, gegen die komplizierten Regeln für Wundärzte und hielt auch vom Gesundheitsrat wenig.[6] Dr. Julius – die Republik schickte ihn wenige Jahre später auf wissenschaftliche Expedition nach Philadelphia – war auch gegen die Prüfungen, allerdings nur gegen die öffentlichen; die Klassifizierung der Wundärzte fördere aber ihre Professionalität, fand er.[7] Zwei Dutzend Apotheker begrüßten die Verringerung der Zahl der Apotheken, die übrigen zwei Dutzend waren wohl dagegen, jedenfalls hatten sie das Schreiben ihrer Kollegen nicht unterzeichnet.[8] Oberaltensekretär Ferdinand Beneke stellte seine Bemerkungen bescheiden als Noten zu näherer Prüfung dar und schickte treuherzig vorweg, dass nur die Wichtigsten auf den Seiten 5, 11-13, 17, 18, 19, 21, 32, 33 und 61 zu finden seien.[9] Der Referent würde sich freuen, wenn er viele Bemerkungen erhielte, hatte Bartels geschrieben, hatte aber vielleicht doch nicht mit der Produktivität von Dr. Beneke gerechnet.
Aber geschickte Kampagnen erzeugen so viele Meinungen und Wünsche, dass sie dazu tendieren, sich gegenseitig zu neutralisieren. Ein gut vorbereiteter Gesetzentwurf hatte dann in der Hauptsache umso bessere Chancen. Bartels sagte das nicht, aber er war gewiefter Taktiker und kannte sich aus im parlamentarischen Geschäft. Auf jeden Fall konnte er sich auf die Unterstützung seines alten Freundes und Weggefährten Otto von Axen verlassen. Der saß im Präsidium der Bürgerschaft und konnte dort seinen Einfluss geltend machen. Lieber Bartels, schrieb ihm Axen im September 1816, als die Beratungen des Gesundheitsgesetzes Fahrt aufnahmen, in meiner 25 jährigen Führung des Medicinal Faches der Armen Anstalt und bey der Verwaltung des französischen Hospitals habe ich es lebhaft erfahren wie mangelhaft das Medicinal und Sanitäts wesen unsrer Stadt ist und wie nothwendig es wird diese wichtige Sache einmahl eine der Zeit angemessene Organisation zu geben – als das ich nicht mit der reinsten Freude erfült werden sollte – wenn Du thätiger Mann … auf diese Weise die Sache wieder in Aussprache bringen und uns endlich eine Medicinal Ordnung verschaffen wilst. Ich freue mich herzlich dieses dir gewis bald gelingenden Werks wofür dir jeder gute Bürger mit mir recht lebhaft danken wird.[10] Das war der Ton der reformierenden Geschäftsmänner der Republik, umstandslose Anrede per Du und Nachname, das höchste Lob der thätige Mann.
Dann gab es aber doch mehr Widerstände und Ferdinand Beneke wurde aktiv. Es wird in den weiteren Collegien, schrieb er Anfang 1818 an Bartels und meinte die Sechziger, noch arge Kämpfe setzen. Daß aber nicht Verdrehungen einzelner Sätze ganze Folge Reihen von Votanten hinreißen, dafür wache ich, als Actuarius Erbgesessener Bürgerschaft. Welcher Votant etwas Aktenwidriges behauptet, dem widerspreche ich sofort von Rechtswegen, sobald er ausgeredet hat.[11] Mit diesem Oberaltensekretär war in den Kollegien zu rechnen. Er beschränkte sich nicht auf Protokoll und Rechtsauskunft. Nach weitläufigen Verhandlungen verabschiedeten Senat und Bürgerschaft im Februar 1818 das neue Grundgesetz der medizinischen Versorgung der Republik.[12] Es war dann doch knapp. Auch die Allgemeine Zeitung berichtete über Opposition in der Bürgerschaft.[13] Die Medicinalordnung, schrieb Sekretär Beneke in vertraulicher Konversation an seinen Freund Johann Michael Gries, ist (mit genauer Noth gegen eine Verschwörung vieler Apotheker, Aerzte, und Juristen) glücklich bey Bürgerschaft durchgegangen.[14]
Im Mittelpunkt der neuen Medizinalordnung stand der Gesundheitsrat. Er war von nun an die zentrale Instanz der Gesundheitspolitik, eine Behörde des medizinischen Sachverstands, der kurzen Wege und der schnellen Entscheidungen. Senator Bartels erklärte seinen Mitbürgern, warum sie so mächtig sein musste: ohne ein solches Collegium sagt Günther ist es unmöglich Ordnung, Festigkeit, Einheit und Uebersicht des Ganzen in den Geschäften zu erlangen und zu erhalten. Ohne sie steht jede mitwürkende Hand isolirt. Einzelne Anordnungen der Polizeibehörde geben zu wenig permanente Festigkeit, und auf dem weiten Wege durch Antrag, Relation und Commissorium geräth manches Gute ins Stoken, was auf kürzerm Wege gelingen würde.[15] Das Kollegium sollte also überhaupt erst eine einheitliche Gesundheitspolitik gestalten. Unterschiedliche Ansichten gab es darüber, wer Sitz und Stimme haben sollte. Neben den Vertretern der Politik nur die beiden Amtsärzte, hatten Günther und Rambach argumentiert. Ich kann dieser Meinung nicht seyn, schrieb Bartels dazu. Ein Apotheker und Chemiker scheint mir eben so wenig wie ein Geburtshelfer zu entbehren.[16] Er setzte auf wissenschaftlichen Sachverstand. Vielleicht fürchteten Günther und Rambach einen zu großen Rat mit langen Reden und wenig Entscheidungen. Polizeisenator Bartels teilte diese Befürchtung nicht. Den Vorsitz übernahm Seine Hochweisheit selbst. Sie fühlte sich durchaus im Stande zu exekutiver Energie.
Im Endergebnis bestand er aus den beiden Polizeichefs, einem Oberalten, den beiden Amtsärzten, einem Wundarzt mit Doktorgrad, einem Geburtshelfer und einem Apotheker. Seine erste Sitzung leitete am 19. März 1818 Dr. Bartels.[17] Der Gesundheitsrat beriet in allen medizinischen Fragen, sammelte Daten und Informationen, prüfte Ärzte, Apotheker und Wundärzte und verweigerte die Zulassung, wenn die Künste der Kandidaten zu wünschen übrig ließen. Das kam nicht selten vor.[18] Ärzte protestierten gegen die Degradirung der Wissenschaft zur Zunft, der Kunst zur Licenz.[19] Es half aber nichts. Nur noch Mediziner auf der offiziellen, im Staatskalender abgedruckten Liste durften praktizieren. Das war radikal und es war das Ende der Pfuscher, der Wunder- und Naturheiler.
Auch die Apotheker verloren ihre Lizenz zum Gelddrucken. Werbung für Arzneimittel wurde praktisch verboten und die Preise schrieb die Hamburger Arzneitaxe auf fast 50 Seiten in allem Detail vor.[20] Giftige Substanzen durften nur noch von Apothekern auf ärztliches Rezept verkauft werden.[21] Im Juni begannen Kontrollen der Geschäftsräume.[22] Vorgeschrieben war ein Laboratorium – und zwar keineswegs in der eigenen Küche. Es gab Regeln für Lagerung und Beschriftung und die Visitatoren verlangten Inventarlisten mit Angaben über Menge, Qualität und Verfallsdatum der Arzneien.[23] Apotheken wurden zwangsgeschlossen, die von Dr. Crusius zum Beispiel.[24]
Mit anderen Worten, es wurde umfassend reglementiert und kontrolliert. Der freie Markt war der Gesundheit unbekömmlich, daran hatte Dr. Bartels keinen Zweifel, und er setzte das durch – mit Erfolg und einer Welle von Verordnungen. Das Gesundheitsgesetz galt bis zum 1. Juni 1900, es war sozusagen eine Jahrhundertreform. Es war ein vorzügliches, seiner Zeit weit voran eilendes Gesetz.[25] So die Ansicht Hamburger Ärzte 100 Jahre später und auch die zeitgenössische deutsche Presse war voll des Lobes: wir segnen das Andenken des verewigten Urhebers dieses heilsamen Gesetzes, und bringen den edlen jetzigen Beförderern seiner Vervollkommnung und Sanktion öffentlichen Dank.[26] So stand es etwas umständlich im Morgenblatt der gebildeten Stände. Namentlich feierte es die verdienten Senatoren Günther, schon verblichen, und Bartels, immer noch sehr lebendig. Das Blatt kannte sich aus.
Half entschlossene Gesundheitspolitik bei Epidemien? Würde die Republik ihre neu gewonnenen Befugnisse auch in Zeiten medizinischer Panik einsetzen – vielleicht durch Impfpflicht oder Kontaktverbote? Es musste sich zeigen. Pocken, auch Blattern genannt, waren weit verbreitet und extrem tödlich. 80% aller Kinder erkrankten, 10% starben.[27] Hamburgs führender Arzt Johann Albert Reimarus hatte die Krankheit schon bei einem Ausbruch 1769 im Waisenhaus mit Impfungen bekämpft. Das war jedoch mit erheblichen Risiken verbunden. Geimpft wurde mit Humanserum. Im Waisenhaus sah das so aus, dass der Doktor einigen Mädchen, die schon erkrankt waren und ein paar Tage später starben, Eiter aus den Pusteln entnahm und die übrigen Kinder damit impfte.[28] Die Aktion war erfolgreich, es gab weiter keine Todesfälle. Die Regel war es nicht. Schwere Pockenjahre folgten, in Hamburg vor allem 1783 und 1797/98.[29] Auch der Bürger war betroffen. Caspar Voght und Johann Georg Büsch waren durch die Pocken nicht schöner geworden. Johanna Abendroth auch nicht. Sie hatte die Pocken im Alter von fünf Jahren bekommen und die Narben zurückbehalten.[30] Den Bruder Ferdinand Benekes traf es 1795, mein ehemahls so wunderschöner Fritz – jetzt entstellt durch die Pocken. – Innig, innig schmerzt mich dieser sonst blos aesthetische Verlust.[31]
Dann wurde alles anders. 1796 entdeckte der englische Arzt Edward Jenner die Impfung mit einem Serum, das von Kühen gewonnen wurde. Der Fortschritt wurde schnell erkannt. Die neue Impftechnik machte zuverlässig und risikoarm gegen die Pocken immun. Als Dr. Rambach seine physisch-medizinische Beschreibung Hamburgs 1801 veröffentliche, hatten die Ärzte der Republik noch keine Versuche mit der neuen Methode angestellt,[32] es verbreitete sich aber schon die Hoffnung, daß diese Entdeckung eine der wohlthätigsten für die Menschheit wird. Welch eine frohe Aussicht, wenn sich diese Erfahrung bestätigt.[33] So der Arzt. Kurze Zeit später begannen die Hamburger Aktivitäten.
Dr. Kerner, der Arzt und vormalige Revolutionär, zog mit seiner Freundin Madame Klünder und ihren Kindern über die Dörfer. Die Kleinen waren geimpft. Es hat gar nicht wehgetan, erzählten sie jedem, der es hören wollte, dazu sahen sie aus wie das blühende Leben. Das wirkte. Innerhalb von zwei Monaten hatte Kerner 173 Kinder geimpft.[34] Einen Report über diese Aktion veröffentlichte er in den vielgelesenen Addreß-Comptoir-Nachrichten. Die offizielle Republik folgte 1804/05 mit einer breiten Öffentlichkeitskampagne.[35] Ein Merkblatt wurde in mehreren Tausend Exemplaren verteilt und zusätzlich im gemeinnützigen Almanach des Jahres 1805 abgedruckt. Die Liebhaber gediegener Publikationen konnten in den Verhandlungen der Patriotischen Gesellschaft nachschlagen.[36] Die Werbeaktion war so erfolgreich, dass die Impfung zu einem Lieblingsthema für sozialpolitisch interessierte Damen in ihren eleganten Salons avancierte. Die Rumfordsche Suppe und die Kuhpocken sind zwei der Hauptgegenstände unsrer Konversation. ‚Haben Sie die Suppe gekostet?‘ - ‚Sind ihre Kleinen inokulirt‘ sind ein paar Haupt- und Hülfsfragen, wenn das Wetter und die theuren Zeiten abgehandelt sind.[37] So berichtete das Journal für Damen und Mode aus den Kreisen, in denen es sich auskannte.
Das Informationsblatt für die Öffentlichkeit eröffnete überaus optimistische Aussichten. Es habe beim Einsatz des neuen Serums noch keinen Todesfall gegeben, stand dort zu lesen, auch müsse niemand mehr mit lebenslangen Narben rechnen, vor allem aber sei die Impfung absolut verlässlich,[38] eine große Wohlthat für die Menschheit,[39] begeisterte sich Abendroth. Sofort stellte sich die Frage, ob eine Impfpflicht sinnvoll sei? Preußen führte sie 1818 ein. Daraufhin fiel die Zahl der Todesfälle von 40.000 auf 3.000 im Jahr 1826.[40] Auch das napoleonische Kaiserreich zeigte Energie. Sein Administrator vor Ort nutzte das. Mit dem mächtigen Staat im Rücken sorgte Bürgermeister-Maire Abendroth dafür, dass 1811 52% aller Neugeborenen gegen Pocken geimpft wurden, 1812 waren es schon 65%.[41] Diese Rekordwerte erreicht Berlin erst zwischen 1844 und 1863.[42]
Die wiedererstandene Republik war dann wieder zögerlicher. 1816 trat die Krankheit in der Gegend von Cuxhaven auf. Innerhalb von zwei Jahren, 1816 und 1817, wurden 740 Menschen geimpft. Es gab aber keine Impfpflicht, Gouverneur Abendroth orchestrierte aufgeklärte Öffentlichkeitsarbeit. Taktisch war das vielleicht klüger. Sowohl durch obrigkeitliche Ermahnung, als auch durch Belehrung von den Predigern, sind die Einwohner aufmerksam auf die Nützlichkeit dieser Blattern gemacht. … Da bis jetzt die Verbreitung der Schutzblattern auf diesem Wege hinlänglich zu gelingen scheint, so wird es keiner strengern Verordnung bedürfen, um sie bald allgemein zu machen.[43] Das musste sich allerdings noch herausstellen. Eine Impfquote von 20% war nicht eben hoch. Ansonsten forderte die Pockenwelle von 1816 in der kleinen Provinz nur ein Todesopfer.[44] Immerhin.
Hamburg verbesserte 1819 die Organisation der Impfungen. Nur vom Gesundheitsrat zugelassene Ärzte durften die Prozedur durchführen, die Verwendung menschlichen Serums war verboten. Patienten aus den Unterschichten impfte unentgeltlich der Ärztliche Verein.[45] Von 1816 bis 1841 erhielten etwa 17.900 Kinder den Pockenschutz.[46] Aber das waren eben auch nicht sonderlich viele. Die Impfquote lag, in Relation gesetzt zu etwa 4.000 Geburten pro Jahr, bei weniger als 20%. Es kam also, wie es kommen musste, 1823 ereignete sich ein schwerer Pockenausbruch. Zuständiger Chef bei Polizei und Gesundheitsrat war Senator Dr. Abendroth. Er sorgte für Gegenmaßnahmen. Der Senat appellierte an Vernunft und wissenschaftliche Erkenntnis. Es sei unverantwortlich, weiter Zweifel an der Wirksamkeit der Impfungen zu hegen, indem, wie die aufgenommenen Listen dies unwiderleglich darlegen, von den vaccinirten Personen … auch nicht ein einziger gestorben, welches bey den nicht Vaccinirten und an den natürlichen Blattern Erkrankten, nicht der Fall gewesen.[47] Das war also der Sinn von Statistiken. Sie waren unverzichtbar für die medizinische Beweisführung.
Aber die von Vorurteilen Geblendeten, so hieß es sehr robust, glaubten das natürlich nicht. Jetzt kamen schärfere Mittel zum Einsatz. Die Klienten der Armenanstalt mussten sich impfen lassen, ansonsten wurde das Geld gestrichen. Ebenso Nachtwächter und Soldaten, das Prekariat der städtischen Ordnungshüter, sonst wurde die Einstellung verweigert. Auf dem Lande wurde die Erfassung nicht geimpfter Kinder angeordnet.[48] Die Republik näherte sich der Impfpflicht. Aber der Bürger liebte keinen Zwang und das Volk kümmerte sich nicht um den medizinischen Fortschritt. Die große Masse der Ungebildeten, besonders der Armen, sieht die Nothwendigkeit nicht ein, oder ist zu indolent, scheut die Kosten.[49] So sah es noch lange aus. 1871 starben über 4.000 Menschen an den Pocken.[50] Erst dann wurde die Impfpflicht eingeführt. Hamburg verzeichnete also anfangs viel Energie der aufgeklärten medizinischen Reformer mit Werbekampagnen und Öffentlichkeitsarbeit, dazu kam der Einsatz von Gesundheitsrat und ärztlichem Verein. Aber das war auf die Dauer ohne gesetzliche Verpflichtung schwer durchzuhalten. Allgemeine Erfahrung Abendroths war es, dass die schönen Redensarten zu nichts helfen wenn man nicht mit Strafen im Hinterhalt steht.[51] Das mochte stimmen, war aber in diesem Falle nicht durchzusetzen.
Die Impfungen waren also kein Selbstgänger. Auch die Zeitungen stritten sich. Der Correspondent war dafür, während das Journal Hamburg und Altona sich über Konkurrenz lustig machte und die mediale Kuhpokkenraserei[52] geißelte. Gleich nach Einführung der allgemeinen Impfung 1805 wurden statistisch belegte Zweifel an ihrer Wirksamkeit herumgereicht. Die Kindersterblichkeit wurde als Indikator herangezogen. Sie sei in den fünf Jahren davor niedriger gewesen als in den fünf Jahren danach, hieß es.[53] Die Impfgegner formierten sich und es reichte ein einziger prominenter Fall, um den ganzen medizinischen Fortschritt in Gefahr zu bringen. Dieser Fall trat ausgerechnet in der Familie Abendroth auf und schlug hohe Wellen. Amandus, der Sohn des Senators, war als Kind vom Hausarzt Dr. Chaufepié gegen Pocken geimpft worden – selbstverständlich.
Unerklärlich war allerdings, dass er 1818 in England an den Pocken erkrankte – trotz Impfung. Der Fall erregte großes Aufsehen. Abendroth trat die Flucht nach vorn an und ging im Juni 1818 mit einem Artikel in der Hamburgischen Gesundheitszeitung selbst an die Öffentlichkeit. Die Resonanz reichte bis in die süddeutschen Blätter. Die Sache scheint in England nicht neu zu seyn; man scheint die Fälle einzugestehen, daß nach den ächten Kuhblattern die ächten Kinderpocken nicht selten sich einstellen (doch nur als Ausnahme von der Regel). Man beruhigt sich dabei, daß durch vorhergegangene Kuhblattern die andern sehr erleichtert werden, und … immer sehr gutartig sind.[54] So stand es mit Verweis auf die Information durch den Senator in der Bayreuther Zeitung vom Juli 1818. Der medizinische Fortschritt stand auf wackligen Füßen. Ärzte hingegen vertrauten der Wissenschaft und feierten zu Ehren des Siegers über die Pocken am 14. Mai das Jennerfest. Dr. Stromeyer, Schwiegersohn von Bürgermeister Dr. Bartels, gründete eigens an diesem Datum in Hannover den dortigen Ärztlichen Verein.
Der wissenschaftliche Durchbruch bei den Pocken blieb die Ausnahme. 1826 brach in Cuxhaven etwas aus, das die Ärzte epidemisches Marschfieber nannten. Die Bewohner kannten es im Prinzip, aber so heftig war es lange nicht aufgetreten. Es hing mit der Flutkatastrophe des Vorjahres zusammen, die das Trinkwasser verunreinigt hatte, so die Ansicht der Ärzte. Zeitweise wurde frisches Wasser per Schiff geschickt. Von 5.400 Bewohnern erkrankten 3.200. Allein in den Sommermonaten gab es 89 Todesfälle, wahrscheinlich noch mehr in der Zeit danach. Die Sterblichkeit blieb bis 1829 hoch. Die Badegäste verließen fluchtartig das Seebad. Die Epidemie war auch ein Rückschlag für die wirtschaftliche Entwicklung. Da die Cuxhavener Ärzte ebenfalls krank geworden waren, kam Unterstützung aus Hamburg. Gesundheitsdirektor Dr. Schleiden forschte nach den Ursachen, Dr. Fricke vom Allgemeinen Krankenhaus schrieb Berichte über eine ähnliche Krankheitswelle in Holland.
Medizinisch half es nicht viel, dafür formirten sich, typisch für die humanitäre Bürgergesellschaft, Ausschüsse aller Art, die nur darin wetteiferten, wer am thätigsten und nützlichsten sich auszeichnen könne.[55] So berichtete der ehemalige Gouverneur Abendroth. Er liebte diese Art des Engagements. Der Ausbruch einer Epidemie war immer ein kritischer Moment – auch für die Politik. Im Herbst 1825 erreichten Abendroth Anfragen zu Hamburger Präventivmaßnahmen gegen eine übertragbare Krankheit, die in Bremen aufgetreten war. Ich antwortete daß man hier gar nichts gethan, da gar nichts beachtliches passirt, am wenigsten eine Anstekung von aussen, daß eine Rheumatische Krankheit dort sey, die bisweilen tödlich sey … ich freue mich daß nichts schlimmes bey Ihnen ist und hoffe auch daß es damit sein Bewenden hat, denn beyde Schwesterstädte wären ganz total ruinirt, wenn sie in den Verdacht eines so schlimmen Uebels je kommen sollten.[56] In diesem Fall war alles gut gegangen, was aber, wenn sich die rheumatische Krankheit doch als eine tödliche Seuche erwiesen hätte? Das stellte sich sechs Jahre später heraus, als die Cholera ausbrach.
Was war die Cholera eigentlich? Eine Geißel Gottes vielleicht? Das war nicht gerade die modernste Ansicht, aber sie kam vor. Bei reaktionären erweckten Christen zum Beispiel, spezifisch bei Ferdinand Beneke. Der schäumte noch wegen der europaweiten Unruhen von 1830 und erquickte sich an Rachephantasien. Er imaginierte göttliche Strafaktionen für die gottlose Menschheit, die Schlemmer werden verzagt, die Praler kleinlaut, die Empörer verstummen, die Leichtsinnigen tragen Sorge für ihre Gesundheit und hören auf Rath. … So erscheint diese Seuche als ein Heilmittel in der Hand des Allmächtigen, um dem zunehmenden Abfall von seinem Wort zu steuern, und die Verhältniße im Großen aus arger Verstörung zu retten; den I n d i v i d u e n, welche als Opfer fallen, begegnet seiner Gnaden Fülle.[57] Es war eine besondere Form der Nächstenliebe, mit der wohl nicht jeder etwas anfangen konnte. Die Republik insgesamt und ihre aufgeklärten Chefs bevorzugten die wissenschaftliche Analyse, wenn auch Bürgermeister Bartels nicht nur die gesundheitliche, sondern auch die politische Gefahr wahrnahm. Er befürchtete den großen europäischen Krieg, ausgelöst durch die Versuche des revolutionsgeschüttelten Frankreichs, seine innenpolitischen Konflikte nach außen abzuleiten.[58] Aber trotz dunkler Wolken am politischen Horizont zeigte sich die kleine Republik von ihrer aktivistischen Seite und nahm die medizinische Herausforderung an, vorweg Bürgermeister Bartels und Senator Dr. Abendroth.
Epizentrum der Cholera von 1831 war der Tiefe Keller, eine Kegelbahn in der südlichen Neustadt, die in eine Billigherberge verwandelt worden war: 15 Meter lang, keine Fenster, Bett an Bett in zwei Reihen, pro Bett zwei Schläfer, zwei Schilling pro Nacht.[59] Kein Wunder, dass die Krankheit sich ausbreitete. Die erste Welle forderte 498 Tote, flaute aber schnell wieder ab. Im April 1832 brach die Krankheit erneut aus, 1.652 Menschen starben.[60] Der medizinische Notfall war da.
Bartels organisierte die Generalgesundheitskommission[61] und die aufgeklärte Führung der Republik entwickelte einen Plan.[62] Schiffe wurden unter Quarantäne gestellt und größere Versammlungen verboten. Freilaufende Haustiere mussten eingesperrt werden oder sie wurden getötet. Erkrankungen waren meldepflichtig. Ein Arzt erschien und das Haus des Kranken wurde mit einem Schild gekennzeichnet. Die Republik war anfangs nicht zimperlich. Ein Kranker, der sich hinreichend versorgen konnte, durfte zu Hause bleiben. War das nicht der Fall, wurde er hauptsächlich um seines eigenen Besten willen auf Verfügung des Arztes oder eventualiter des Bürgers der Special-Commission … sofort mit möglicher Schonung und Vorsicht in das Cholera-Hospital geschafft. So lautete die Verordnung, die viele nicht ohne Grausen lasen. Zum allgemeinen Schrecken trug bei, dass Beerdigungen reglementiert wurden und ohne allen Unterschied der Religion auf besonders isolierten Begräbnisplätzen stattfinden mussten.[63]
Aus Sicht aufgeklärter Gesundheitspolitiker war das alles unvermeidlich. Bartels initiierte die dazugehörige Informationskampagne. Die Bürgergesellschaft mobilisierte. Ganze Familien engagierten sich. Bartels‘ Schwiegersohn, Dr. Louis Stromeyer, ging für die hannoversche Regierung auf Erkundungstour nach Danzig.[64] Alle fünf Abendroth-Söhne arbeiteten bei der General- oder bei den Spezialkommissionen.[65] Aber der Aktivismus half nur bedingt. Therapien waren Teil des Problems. Ärzte flößten den Patienten Abführ- und Brechmittel ein. Es war das Falscheste, was sie tun konnten, da die Opfer schon an extremer Dehydration litten.[66]
Zwei Cholerakrankenhäuser mit 400 Betten wurden eingerichtet, um das Überspringen der Krankheit auf das Allgemeine Krankenhaus in St. Georg zu verhindern.[67] Dort waren die Aufnahme Cholerakranker und alle Besuche verboten.[68] Zeitungen lobten die musterhafte Einrichtung dieser Hospitäler.[69] Das unaufgeklärte Volk sah das anders. Die Hospitäler werden wir, so bald sie fertig sind, dem Publiko zum Besicht öfnen; aber um diese, schrieb Bartels konsterniert nach Bremen, versammelt sich eine rohe Maße, und man spricht von: in Brand steken. Daher sucht man diese durch Patrouillen sicher zu stellen.[70] Vorsicht war angebracht. Aber mit der Zeit musste die Gesundheitskommission mehr Rücksicht auf die öffentliche Meinung nehmen: Die Kennzeichnung der Häuser der Kranken unterblieb, Patienten wurden nur mit ihrer Zustimmung ins Krankenhaus gebracht und private Beerdigungen wieder erlaubt.[71]
1831 wurden von 940 Erkrankten 326 ins Krankenhaus gebracht.[72] Aber die medizinische Aufklärung schien wenig bewirkt zu haben, ebenso wenig wie die Musterkrankenhäuser der Freimaurer, für die Bartels und Otto von Axen so viel Zeit aufgewendet hatten. Das Volk hielt Hospitäler für eine Verschwörung der herrschenden Klasse. Nicht nur in Hamburg. In Preußen machten Geschichten über eine Vergiftungsaktion der Obrigkeit zur Eindämmung des Bevölkerungsüberschusses die Runde. Von einer Drei-Taler-Prämie für jeden Toten war die Rede.[73] Ärzte und Apotheker wurden angegriffen, in Memel ein Kranker aus dem Lazarett befreit. Vielleicht hing es damit zusammen, dass dieses Volk nicht in statistischen Kategorien dachte wie Reformer. Die kannten nichts Verlässlicheres, um sich ein korrektes Bild der Realität zu machen. Sie studierten Mortalitätstabellen, um ihre Entscheidungen vorzubereiten. Dabei fiel ihnen auf, dass eine vorangegangene Scharlachepidemie viel mehr Todesopfer gefordert hatte als die Cholera. Die hysterische Öffentlichkeit wollte es nicht wahrhaben. Davon aber sprach niemand,[74] empörte sich Bartels. Der Bürgermeister konnte es sich nicht erklären. Das Volk war unvernünftig und unbelehrbar.
Oder fehlte es den Bürgern einfach nur an etwas Mitgefühl? Die Gesundheitspolitiker, die alles besser, aber von der Krankheit doch so verzweifelt wenig wussten, äußerten sich manchmal etwas leichtfertig, auch wenn das vermeintlich statistisch belegbar war. Die Cholera ist bei uns im Absterben, so Bürgermeister Bartels Ende November 1831, wir ziehen allmählig unsre Einrichtungen ein, und beschränken unsre Kosten. … So wie die Krankheit bei uns sich zeigt, können wir mit Recht sagen: viel Lärm um nichts![75] Familien, die Angehörige verloren hatten, eher arme Leute, Bewohner der Gängeviertel, sagte man das in dieser Form wohl besser nicht. Die Kosten allerdings waren wirklich hoch: eine halbe Million.[76] Es wurde auch schnell ziemlich deutlich, dass die Maßnahmen gegen die Cholera unerwünschte Nebenwirkungen hatten, man kommt allmählich dahin die Störung aller Gewerbe viel schädlicher als die ganze Krankheit zu halten.[77] So Dr. Abendroth. Es war wohl etwas daran. Wenn der Handel stockte, bedeutet das sofortige Arbeitslosigkeit für die Masse der Tagelöhner, für die vielen kleinen Selbstständigen brach das Geschäft kurze Zeit später weg. Die Aufhebung der Schutzmaßnahmen war deshalb populär.[78]
Aber dann folgte im Frühjahr die zweite Welle der Epidemie, viel schlimmer als die erste. Ihre Bekämpfung blieb mehr oder weniger den Ärzten überlassen.[79] Dass es sich bei den Opfern in erster Linie um arme Leute handelte, blieb den Bürgern im Übrigen auch nicht verborgen. Von den Toten war Keiner der höheren Einwohnerklasse angehörig.[80] So kommentierte Gustav Gallois. Ende 1832 zeigte sich, dass in den Asylen und Hospitälern der Republik ziemlich viele Plätze frei waren. Möglicherweise ein Ergebnis der Cholera, vermutete Bürgermeister Abendroth. Es ist allerdings in Betracht zu ziehen daß die zweite Cholera dieses Jahres eine bedeutende Anzahl solcher eventueller Kostgänger, so wie der früheren Bewohner des Hanfmagazins weggenommen hat.[81] Die aufgeklärte Luft konnte eisig sein. Es lag wohl am kalten Verstand.
Aber die Dinge änderten sich, besonders bei der stationären Krankenpflege. Ende 1813 hatte die Republik ihr Krankenhaus verloren, es war von französischem Militär niedergebrannt worden. Ohne Zweifel brauchte sie ein neues. Ein großes Hospital müssen wir durchaus wieder haben, stellte Senator Abendroth fest, vorläufig wird man dazu wohl ein Gebäude in der Stadt, etwa das Schulhaus der Armenanstalt, oder das Kornhaus, welche beide zu Kasernen eingerichtet waren, nehmen müssen, bis man zu hinlänglichen Fonds zur Einrichtung eines Hospitals a u ß e r d e r S t a d t rathen kann.[82] Im Oktober 1823 wurde das neue Krankenhaus in St. Georg nach zweieinhalbjähriger Bauzeit eingeweiht – in Rekordgeschwindigkeit, obwohl zeitweise die Maurer gestreikt hatten.[83] Zwischendurch mäkelte auch einmal die Presse wegen schlechter Bauqualität.[84] Aber das neue Haus wurde zu einem großen Erfolg, Professionalität war der Schlüssel.
Die Anforderungen formulierte Polizeichef Dr. Abendroth. Das Krankenhaus brauche einen wissenschaftlich gebildeten, erfahrenen chirurgischen Arzt.[85] Das erklärte er im Oktober 1823 im Senat. Wissenschaftlichkeit und Professionalität waren Kernkriterien im Betrieb der erneuerten Republik, nicht nur im Krankenhaus. Leiter der Chirurgie wurde Dr. Johann Carl Georg Fricke. In Berlin hatte er beim berühmten Christoph Wilhelm Hufeland studiert. In Hamburg arbeitete er seit 1815 als Chirurg an den Freimaurerkrankenhäusern, 1817 wurde er Arzt der Armenanstalt und 1818 Mitglied des neuen Gesundheitsrats.[86] Es war die klassische Karriere eines aufgeklärten Mediziners in der Bürgerrepublik in Sichtweite der Senatoren Abendroth und Bartels. Sie schätzten und honorierten sozialpolitisches Engagement. Sogar familiäre Kontakte entwickelten sich. Fricke nahm Bartels‘ Schwiegersohn Dr. Stromeyer aus Hannover unter seine Fittiche.[87] Operationen wurden durchgeführt mit Techniken, die auf der wissenschaftlichen Höhe der Zeit waren, die Amputation eines verformten Fußes zum Beispiel, durchaus nicht ohne Widerspruch ärztlicher Kollegen, die eine mechanische Korrektur oder die Durchtrennung der Achillessehne vorgezogen hätten.[88]
Das neue Krankenhaus, Architekt Carl Ludwig Wimmel, kostete 1,3 Millionen Mark, fast so viel wie vor einem halben Jahrhundert die Michaeliskirche. Jetzt baute die Republik Kathedralen für Fortschritt und Wissenschaft mit Operationssälen nach neuester Technik, mit Ventilation, ausgeklügeltem Heizungssystem, fließend Wasser in allen Zimmern, Bädern und Toiletten mit Wasserspülung.[89] War der alte Krankenhof noch Altenheim, Armenhaus und Krankenhaus in einem, so war die neue Einrichtung ein Haus der Heilung. Es sollte Kranke aufnehmen.
Der Prozess der Professionalisierung steckte aber noch in den Kinderschuhen und war durchaus umkehrbar. Polizeichef Abendroth trug selbst dazu bei. Der sozialpolitische Aktivist übernahm auch noch die Einweisung ins Krankenhaus und machte in der Praxis sehr schnell die Erfahrung, dass die Armen und Hilflosen irgendwo hinmussten, auch wenn es realistischerweise keine Hoffnung auf Heilung gab. Es passierte nicht eben selten. In das allgemeine Krankenhaus auf Empfehlung der Polizei gekommen, hieß diese statistische Kategorie und kam 1826, im vorletzten Jahr des Polizeichefs Abendroth, gleich 1.335 Mal vor, Tendenz steigend.[90] Das Ergebnis war vorhersehbar. Das Krankenhaus füllte sich mit Bedürftigen aller Art. Die Erfahrung aller Zeiten lehrt, hielt Abendroth seinen Senatskollegen 1832 vor, daß wenn Platz da ist, er auch unwiderruflich benutzt wird; man erinnere sich unseres allgemeinen Krankenhauses, was nur 1.000 Betten haben sollte, von diesen 100 in Reserve für ansteckende Krankheiten, und eben weil Platz da ist, jetzt nie unter 1.300 hat, wo alle Reservebetten mit ocoupirt sind.[91] Dass er selbst dazu beigetragen hatte, erwähnte er vorsichtshalber nicht. Ende 1841 lagen 1.654 Patienten im Krankenhaus, es war deutlich überfüllt.[92] Der Druck der Umstände und der Tradition war stark. Andererseits – 1826 wurden 3.057 Menschen aufgenommen und 2.517 entlassen.[93] Das deutete eher darauf hin, dass Kranke kamen und Gesunde gingen. Und noch einen Fortschritt gab es. Die Kranken kamen freiwillig. So schwer es ehemals ward, Kranke zu bereden, daß sie sich auf dem Krankenhofe aufnehmen ließen, so allgemeine ist der Wunsch und das Nachsuchen um diese Wohlthat jetzt.[94] Die Mentalitäten wandelten sich mit der Qualität der Krankenhäuser.
Ein Institut für Patienten mit psychischen Erkrankungen gab es allerdings immer noch nicht. Ein paar Jahre später stellte sich das als unverhofftes Glück heraus, meinte jedenfalls Abendroth mit seinem unerschütterlichen Humor. Im Krankenhaus hatte es gebrannt. Die Mentecapti haben sich bey der Löschung mit großem Ruhm bedeckt – les Extremes se touchent? und so konnte man bey dem Löschen es nur mit grosser Mühe erfahren, wer toll und wer klug war.[95] Insgeheim hatte er diese Erfahrung wahrscheinlich schon öfter gemacht, beim Löschen oder welchen Aktivitäten auch immer. Aber bei allen Einschränkungen, die Republik hatte mit dem neuen Krankenhaus einen großen Wurf gemacht, von den guten Einrichtungen dieser berühmten Anstalt[96] war die Rede und Eduard Beurmann vom Jungen Deutschland, eigentlich eher kritisch gestimmt, schrieb gar vom prächtigen Krankenhaus.[97] In Hamburg konnte man sich nicht beschweren.
Wie sah die Bilanz der Sozialpolitik der Republik aus? Alles in allem gab es viel Streit, aber das Ergebnis konnte sich sehen lassen, meinte jedenfalls der langjährige Präses der Armenanstalt und nunmehrige Bürgermeister Abendroth. Es war Juli 1832, der Sommer schön, die Cholera schien abzuklingen, auch der Schreck der neuerlichen Revolution hatte sich gelegt, er konnte sich im Senat und in den Gemeinnützigen Nachrichten wieder dem humanen und nützlichen Umbau des Gemeinwesens widmen. Ich liebe das Ausposaunen nicht, schrieb er einem Freund, bin aber immer ein Freund einer nüzlichen Publizität gewesen und freue mich einem Staate anzugehören, worin so unendlich viel Gutes, vernünftig und liberal zu Stande kömt.
Noch erfreulicher war es, wenn die eigene Familie zum Guten beitrug. Sie tat es, und der Bürgermeister wollte seinen Stolz nicht unterdrücken. Mir gereicht es aber noch zur ganz besonderen Freude daß meine Söhne und ganz besonders mein ältester Sohn auch zu jeder nüzlichen Anstalt concurriren. Zur Cholerazeit waren alle fünfe bey der General und den Special Commissionen und so sehe ich sie bey allen Gelegenheiten immer nüzlich thätig, dies aber unter uns, Sie müssen diesen Ausbruch väterlicher Freude mit Nachsicht beurtheilen.[98]
Nach der vorübergehenden Verdunkelung des Revolutionsjahres 1830 schien die Republik wieder in die beste aller Welten zurückzukehren. Der Bürgermeister ließ kein Schlüsselwort der aufgeklärten Zukunftswelt aus: tätig, vernünftig, liberal und nützlich, so wollte er sein, so sollte sie sein, und erstaunlicherweise stellte sie sich manchmal wirklich so dar. Der Fortschritt war eine Freude, und die Republik schritt voran. Bei allem Fortschritt gehörte aber auch ins Bild, dass sich ihre Fürsorge nach wie vor in ganz traditionellen Formen manifestieren konnte. Zur Konfirmation am Sonntag Palmarum versammelten sich die von der Armenanstalt geförderten Mädchen und präsentierten ihre besten Arbeiten.[99] Senator Abendroth inspizierte allerlei Gesticktes und Gehäkeltes, Genähtes und Kunstgeflicktes. Es war etwas fürs Herz des Bürgers und ein Zeichen für das Volk. Der Staat begleitete die Wendepunkte in seinem Leben mit feierlich-familiären Ritualen, die Autorität näherte sich zur freundlichen Teilnahme und sparte nicht mit Anerkennung und Aufmunterung für den bevorstehenden Ernst des kleinen Lebens. Die Republik hatte sich modernisiert, aber sinnreiche Tradition konserviert. Womit sie denn manchmal etwas patriarchalisch daherkam.
Beim Rückblick auf seine langjährige Wirksamkeit in der Sozialpolitik wurde Bürgermeister Abendroth noch einmal philosophisch. Ruhiges Fortgehen auf dem bisherigen Wege, ohne sein Auge zeitgemäßer Veränderung und Verbesserung zu verschließen, wird das mühevolle Werk immer weiter bringen, ohne sich der zu sanguinischen Hoffnung von gänzlicher Verbesserung der Menschen zu überlassen, oder auf der andern Seite zu glauben, als hätten wir das Ziel schon errungen. Kein menschliches Werk darf stillstehen, wenn es nicht rückwärts gehen soll, so auch unsere menschenfreundliche Armen-Versorgung nicht, – das Vollkommenste zu erreichen darf kein Sterblicher hoffen, es genügt, das für unsere armen Mitmenschen zu thun, wozu unsere Kräfte ausreichen, und was das Herz uns zu thun befiehlt. Das Übrige musste man dem Wirken der alliebenden Vorsehung anheim stellen.[100] Er hatte ein gutes Gewissen und zog den christlichen Mitleidsfloskeln immer noch programmatisch die allliebende Vorsehung vor.
Am liebsten aber war ihm angewandtes medizinisches Fachwissen. Da wusste man, was man hatte.
Die Abkürzungen StAHH, StAB und StACux beziehen sich auf Bestände der Stadt- und Staatsarchive von Hamburg, Bremen und Cuxhaven; die Fußnoten auf die Literaturliste.
[1] StAHH, Senat Cl VII Lit Lb No 23a Vol 1 Bd 1 Dok 2, Präsentation Bartels’ im Senat, 9.8.1816.
[2] Hamburg und Altona, 1. Jahrgang, 2. Bd., 1802, S. 321.
[3] StAHH, Senat Cl VII Lit Lb No 23a Vol 1 Bd 1 Dok 2, Präsentation Bartels’ im Senat, 9.8.1816.
[4] StAHH, Senat Cl VII Lit Lb No 23a Vol 1 Bd 1 Dok 2, Präsentation Bartels’ im Senat, 9.8.1816.
[5] StAHH, Senat Cl VII Lit Lb No 23a Vol 1 Bd 1 Dok 4a, Bartels’ Entwurf der Medizinalordnung, 1816.
[6] StAHH, Senat Cl VII Lit Lb No 23a Vol 1 Bd 1 Dok 4b, Dezember 1816.
[7] StAHH, Senat Cl VII Lit Lb No 23a Vol 1 Bd 1 Dok 12, 30.9.1816.
[8] StAHH, Senat Cl VII Lit Lb No 23a Vol 1 Bd 1 Dok 22, Eingabe der Apotheker, o.D.
[9] StAHH, Senat Cl VII Lit Lb No 23a Vol 1 Bd 1 Dok 25, Memorandum Benekes, 4.9.1816.
[10] StAHH, Senat Cl VII Lit Lb No 23a Vol 1 Bd 1 Dok 26, Axen an Bartels, 12.9.1816.
[11] StAHH, Senat Cl VII Lit Lb No 23a Vol 1 Bd 1, Beneke an Bartels, 30.1.1818.
[12] Anderson/Lappenberg: Sammlung, Bd. 5, S. 44-149.
[13] Allgemeine Zeitung, 20.6.1818.
[14] StAHH, Familie Beneke Ferdinand Beneke C 41, Beneke an Gries, 18.2.1818.
[15] StAHH, Senat Cl VII Lit Lb No 23a Vol 1 Bd 1 Dok 28, Erklärung Bartels‘ zu § 3.
[16] StAHH, Senat Cl VII Lit Lb No 23a Vol 1 Bd 1 Dok 28, Erklärung Bartels‘ zu § 5.
[17] Rodegra: Fricke, S. 43.
[18] StAB, 2 B 5 a 7 Vol 2, Bartels an Smidt, 19.10.1825. Rodegra: Fricke, S. 43f.
[19] Zitiert nach Gallois: Geschichte, Bd. 3, S. 69.
[20] Anderson/Lappenberg: Sammlung, Bd. 5, S. 182-226.
[21] Anderson/Lappenberg: Sammlung, Bd. 5, S. 266-268.
[22] Anderson/Lappenberg: Sammlung, Bd. 5, S. 255f.
[23] Anderson/Lappenberg: Sammlung, Bd. 6, S. 11-14.
[24] Gallois: Geschichte, Bd. 3, S. 70f.
[25] Gesundheitsverhältnisse, S. 64.
[26] Morgenblatt für gebildete Stände, 8.5.1818.
[27] Frevert: Krankheit, S. 69; Evans: Tod, S. 285.
[28] Reimarus: Lebensbeschreibung, S. 23-25.
[29] Finder: Bürgertum, S. 183.
[30] Finder: Bürgertum, S. 182; Abendroth’sche Lebenserinnerungen, S. 2.
[31] Beneke: Tagebücher, 26.11.1795.
[32] Rambach: Versuch, S. 342.
[33] Rambach: Versuch, S. 344.
[34] Es war Charlotte Friederike Amalia Klünder. Fritz: Kerner, S. 580; Trepp: Männlichkeit, S. 265-267.
[35] Heß: Hamburg, Teil 3, S. 469.
[36] Verhandlungen und Schriften, Bd. 7 (1807), S. 508.
[37] Zitiert nach Böning: Presse, S. 335.
[38] Verhandlungen und Schriften, Bd. 7, (1807), S. 511f.
[39] StAHH, Allg. Armenanstalt I 6, Memorandum Abendroths, März 1830.
[40] Evans: Tod, S. 286f.
[41] Schmidt: Hamburg, Teil 1, S. 507.
[42] Evans: Tod, S. 287.
[43] Abendroth: Ritzebüttel, Tl. 1, S. 52.
[44] StACux, Amtsarchiv Ritzebüttel II Fach 1 Vol F1 Dok 2, Abendroths Bericht über Ritzebüttel 1816.
[45] Anderson/Lappenberg: Sammlung, Bd. 6, S. 8-10.
[46] Neddermeyer: Statistik, S. 525.
[47] Anderson/Lappenberg: Sammlung, Bd. 8, S. 119f.
[48] Anderson/Lappenberg: Sammlung, Bd. 8, S. 118-131.
[49] Zitiert nach Evans: Tod, S. 288. Es war eine ärztliche Äußerung aus dem Jahr 1856, die aber sicher auch vorher Gültigkeit hatte.
[50] Evans: Tod, S. 290f.
[51] StAHH, Senat Cl VII Lit He No 3 Vol 9 Dok 27, Notiz Abendroths, 30.1.1831.
[52] Hamburg und Altona, 1. Jahrgang, 1. Bd., 1801, S. 206.
[53] Heß: Hamburg, Teil 3, S. 470.
[54] Baireuther Zeitung, 5.7.1818.
[55] Abendroth: Ritzebüttel, Tl. 2, S. 13.
[56] StAB, Nachlass Smidt 7 20 VIII C d 1, Abendroth an Smidt, 11.10.1825.
[57] Beneke: Tagebücher, 19.10.1831.
[58] StAB, 2 B 5 a 7 Vol 2, Bartels an Smidt, 18.6.1831.
[59] Gesundheitsverhältnisse, S. 63.
[60] Evans: Tod, S. 299-301 und 324.
[61] StAB, 2 B 5 a 7 Vol 2, Bartels an Smidt, 2.8.1831.
[62] Evans: Tod, S. 316f.
[63] Anderson/Lappenberg: Sammlung, Bd. 11, S. 507-513.
[64] StAB, 2 B 5 a 7 Vol 2, Bartels an Smidt, 6.9.1831.
[65] SUB Hamburg, Campe Sammlung 18, Abendroth an einen Freund, Juli 1832.
[66] Evans: Tod, S. 433.
[67] Hannmann: Wimmel, S. 62, Abbildungen Nr. 57 und 58.
[68] Anderson/Lappenberg: Sammlung, Bd. 11, S. 669-671.
[69] Zitiert nach Hannmann: Wimmel, S. 62.
[70] StAB, 2 B 5 a 7 Vol 2, Bartels an Smidt, 6.9.1831.
[71] Fricke: Cholera, S. 6-8.
[72] Evans: Tod, S. 422.
[73] Evans: Tod, S. 315.
[74] StAB, 2 B 5 a 7 Vol 2, Bartels an Smidt, 1.11.1831.
[75] StAB, 2 B 5 a 7 Vol 2, Bartels an Smidt, 29.11.1831.
[76] Evans: Tod, S. 319.
[77] StACux, Amtsarchiv Ritzebüttel I Fach 13 Vol B Fasc 2 Dok 139, Abendroth an Hartung, 20./21.10.1831.
[78] Anderson/Lappenberg: Sammlung, Bd. 11, S. 692f. und 713-715.
[79] Evans: Tod, S. 319.
[80] Gallois: Geschichte, Bd. 3, S. 424.
[81] StAHH, Senat Cl VII Lit Mb No 2 Vol 9 Fasc 1 Dok 28, Memorandum Abendroths, Sept./Nov. 1832.
[82] Abendroth: Wünsche, S. 158.
[83] Hannmann: Wimmel, S. 57; Das Krankenhaus beschreibt Hübbe/Plath: Ansichten, Bd. 2, S. 245-259.
[84] Morgenblatt für gebildete Stände, 17.9.1823.
[85] Zitiert nach Rodegra: Fricke, S. 57.
[86] Rodegra: Fricke, S. 20f.
[87] Stromeyer: Erinnerungen, Bd. 2, S. 26.
[88] Stromeyer: Erinnerungen, Bd. 2, S. 26f. Zur Operationspraxis im Krankenhaus s. Rodegra: Fricke, S. 66-137.
[89] Hannmann: Wimmel, S. 57, 61.
[90] Neddermeyer: Statistik, S. 508.
[91] StAHH, Senat Cl VII Lit Mb No 2 Vol 9 Fasc 1 Dok 28, Memorandum Abendroths, Sept./Nov. 1832.
[92] Neddermeyer: Statistik, S. 530.
[93] Neddermeyer: Statistik, S. 536.
[94] Hübbe/Plath: Ansichten, Bd. 2, S. 257.
[95] StACux, Amtsarchiv Ritzebüttel I Fach 13 Vol B Fasc 2 Dok 107, Abendroth an Hartung, 25.10.1830.
[96] Stromeyer: Erinnerungen, Bd. 2, S. 26.
[97] Beurmann: Skizzen, S. 6.
[98] SUB Hamburg, Campe Sammlung 18, Abendroth an einen Freund, Juli 1832.
[99] Abendroth: Bemerkungen, S. 17.
[100] Abendroth: Bemerkungen, S. 32.


